Impfempfehlungen für Kinder mit JIA

Speth, F. und Minden, K.:
Impfungen bei Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen.

arthritis + rheuma 1, 44 (2015).

Zusammenfassung
Impfungen stellen die effektivste Maßnahme zur Infektionsprophylaxe dar. Bei Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen wird von einem erhöhten Infektionsrisiko im Allgemeinen und für Erkrankungen durch impfpräventable Erreger im Speziellen ausgegangen. Daher ist ein vollständiger Impfstatus, Indikationsimpfungen im Bedarfsfall eingeschlossen, besonders wichtig. Impfungen sollten, wenn möglich, vor dem Einsatz einer Immunsuppression (IS) erfolgen, um deren Wirksamkeit (inklusive Boosterfähigkeit) sowie – im Hinblick auf Lebendimpfungen – auch Sicherheit zu erhöhen. Die Empfehlung zur schnellen Vervollständigung des Impfschutzes spiegelt auch die Beobachtung wider, dass gerade zu diesem frühen Zeitpunkt der Rheumatherapie eine erhöhte Infektionsrate vorliegt. Für die Planung von Schutzimpfungen bei bereits begonnener IS werden Strategien vorgeschlagen, die – untergliedert nach Tot- und Lebendimpfungen – den individuellen Impferfolg sichern und Risiken minimieren sollen.

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Auszug aus "Juvenile idiopathische Arthritis"
von K. Minden et al.

Kapitel 4.11 - Impfungen

Kinder mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) tragen krankheitsbedingt, vermutlich aufgrund des immunvermittelten Entzündungsprozesses, ein im Vergleich zu Kontrollen etwa 2fach höheres Risiko für Infektionen [Beukelman et al. 2012]. Das Infektionsrisiko erhöht sich mit dem Einsatz immunsuppressiver Medikamente. Bestimmt wird das therapiebedingte Infektionsrisiko durch Art, Dosis und Anwendungsdauer des eingesetzten Medikamentes. Glukokortikoide bergen das höchste Risiko für Infektionen. Während mit MTX oder Biologika behandelte JIA-Patienten nicht signifikant häufiger schwere, d.h. zur Hospitalisierung führende Infektionen entwickeln, verdreifacht sich das Infektionsrisiko unter Prednisolon-Tagesdosen ?10 mg [Beukelman et al. 2012].

Das krankheits- und therapiebedingt erhöhte Risiko für Infektionen schließt auch impfpräventable Erkrankungen (inklusive deren Komplikationen) u.a. durch Pneumokokken, Influenza-, Varizella- oder humane Papillomviren ein [Stéphan et al. 2001; Tam et al. 2004; Bracaglia et al. 2012]. Impfungen stellen somit eine wichtige infektionspräventive Maßnahme bei Patienten mit JIA dar.

  • Literatur:
    "Juvenile idiopathische Arthritis", Kapitel 4.11 Impfungen von K. Minden, M. Frosch, J. Roth, G. Ganser, G. Dannecker, H.J. Girschick, C. Huemer, A. Heiligenhaus, U. Neudorf, J. Roth
  • Impftabelle:
    Übersicht zu Schutzimpfungen für Kinder mit JIA
  • STIKO:
    Aktuelle Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut